Umweltministerin Ulrike Scharf eröffnet mit Staatsempfang 1. Natura 2000-Gipfel - Landkreis Donau-Ries

Landkreis Donau-Ries

Umweltministerin Ulrike Scharf eröffnet mit Staatsempfang 1. Natura 2000-Gipfel

05.02.2018: Bayerns Naturschätze sind wertvoll und von herausragender Bedeutung. Um deren Wertschätzung zu fördern, startete Umweltministerin Ulrike Scharf zu Beginn vergangener Woche mit einem Staatsempfang den 1. Natura 2000-Gipfel in Schloss Nymphenburg.

LIFE living Natura 2000: Staatsempfang und Fachkongress am 28./29.01.2018 im Schloss Nymphenburg. Bildautor: Nicole Höhna, ANL
Dieser Fachkongress ist die Auftaktveranstaltung des fünf Jahre dauernden Kommunikationsprojektes LIFE living Natura 2000. Hochrangige Vertreter der EU, sowie der Kommunen und Behörden als auch Landnutzerverbände und Vereine kamen zu diesem Anlass in München zusammen. Auch die Gebietsbetreuer und verschiedene LIFE-Projekte waren mit Informationsständen vertreten und informierten über ihren Beitrag in den Natura 2000-Gebieten sowie ihre Vermittlung zwischen verschiedenen Interessensgruppen draußen vor Ort.

„Mit Natura 2000 haben wir weltweit das größte Naturschutzgebiet, das es zu schützen gilt. Unsere Natur ist nicht nur die wichtigste natürliche Ressource, sondern sie bietet uns auch Erholung und Entspannung und deshalb ist es heute mit diesem Gipfel so wichtig, dass wir dieses grenzüberschreitende große Naturschutzgebiet in den Mittelpunkt rücken und auch besser kommunizieren.“ So verdeutlichte Umweltministerin Scharf bei ihrer Festansprache die Bedeutung der bayerischen Landschaft mit ihren Naturschätzen. Natura 2000 feierte letztes Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Dennoch ist dem Großteil der Bevölkerung dessen Bedeutung unbekannt. Hier setzt das LIFE-Projekt an. Über Information in den Gebieten, Wanderausstellungen und Fachtagungen sollen Akzeptanz und Wertschätzung für das weltweit größte Naturschutzgebiet geschaffen werden.

Elf Prozent der Landesfläche sind im Rahmen von 746 Fauna-Flora-Habitat (FFH)-und Vogelschutzgebieten geschützt. Natura 2000 bildet damit ein EU-weites Schutzgebietsnetz, das wild lebenden, gefährdeten Arten grenzübergreifend einen Lebensraum bietet. Dies sind oft die letzten Rückzugsmöglichkeiten seltener Arten in einer intensiv genutzten Landschaft. Zugleich sind diese Räume meist der Inbegriff der schönen bayerischen Landschaft und fördern über einen sanften Tourismus oft die lokale Wirtschaft.

Auch die Gebietsbetreuer in Bayern sind wichtige Botschafter für die Natur und betreuen zu einem großen Teil Natura 2000-Gebiete. Dort vermitteln sie als Anwälte der Natur und den vor Ort lebenden Menschen zwischen den jeweiligen Interessen. Die Gebietsbetreuerin im Nördlinger Ries, Judith Kronberg, und die Gebietsbetreuerin östliches Donauried, Michaela Schneller, sind in Natura 2000-Gebieten als sogenannte Wiesenbrüter-Beraterinnen aktiv. In den von ihnen betreuten Vogelschutzgebieten brüten seltene Arten wie der Große Brachvogel und der Kiebitz. „Mit dem größten Brachvogelvorkommen in Schwaben hat das Nördlinger Ries eine besondere Verantwortung. Deshalb suche ich im Rahmen eines Pilotprojektes in ausgewählten Wiesenbrütergebieten im Ries die Gelegestandorte dieser beiden bodenbrütenden Arten und stimme mit den Landwirten Schutzmaßnahmen ab“, erklärt Judith Kronberg. Schon seit 2015 ist sie im Wiesenbrüterschutz im Nördlinger Ries aktiv und legt besonderen Wert auf Kommunikation. „Die Landwirte wollen den Vogelarten nicht schaden. Es ist wichtig, miteinander Möglichkeiten zu finden, sowohl die Gelege zu schützen als auch eine Bewirtschaftung durch die Landwirte sicher zu stellen.“ betonen die Gebietsbetreuerinnen. Eine gute Möglichkeit bieten hier Vertragsnaturschutzprogramme, die naturschonende Bewirtschaftungsweisen honorieren, aber auch individuelle Schutzmaßnahmen bei einem Gelegefund. „Mittlerweile teilen einige Landwirte schon selber mit, wenn sie bei der Bewirtschaftung ein Gelege entdeckt und es geschützt haben“, freuen sich die Expertinnen. „Wir sind auf einem guten Weg.“ Wichtig ist, die Arten dauerhaft vor dem Aussterben zu bewahren. Im östlichen Donauried sind daher auch Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung geplant, die von Michaela Schneller, die seit März letzten Jahres im östlichen Donauried als Gebietsbetreuerin tätig ist, betreut werden.
Bei einem kostenlosen Kurzvortrag informieren die Gebietsbetreuerinnen gerne über die heimischen Wiesenbrüterarten und deren Lebensweise und werben so um Akzeptanz für die seltenen Vögel.

„Das Projekt LIFE living Natura 2000 hat für unsere Region eine große Bedeutung“, stellt Werner Reissler fest. Er ist Geschäftsführer der Heide-Allianz Donau-Ries und beim Landkreis Donau-Ries für die Koordination verschiedener Naturschutzprojekte zuständig. „Die Tagung hat gezeigt, dass Kommunikation enorm wichtig ist. Abgeschlossene, laufende und künftige Vorhaben der örtlichen Projektträger können davon sicher profitieren.“ Werner Reissler war mit dem Projektmanagement des LIFE Projektes Heide-Allianz mit einem Stand vor Ort in München. „Neben den zahlreichen Umsetzungs- und Pflegemaßnahmen im Kontext Natur- und Artenschutz im Projektgebiet sind es auch die Aspekte Tourismus sowie Besonderheiten und Schönheit der heimischen Kulturlandschaft wie insbesondere die beweideten Trockenrasen im Landkreis, die im Vorhaben Beachtung finden.“

Träger der Gebietsbetreuung Nördlinger Ries sind der Rieser Naturschutzverein, die Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried sowie der Landkreis Donau-Ries, Träger der Gebietsbetreuung östliches Donauried der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Donau-Ries. Beim LIFE Projekt Heide-Allianz tritt zusätzlich das Umweltministerium als Träger auf. Gefördert werden die Vorhaben von der Europäischen Union, vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sowie vom Bayerischen Naturschutzfonds. Die Regierung von Schwaben wirkt unterstützend und beratend mit und stellt flankierend Mittel bereit.

Nähere Information:
Gebietsbetreuung in Bayern unter: www.gebietsbetreuer.bayern
Heide-Allianz: www.life-heide-allianz.de; www.heide-allianz.de