Flugzeugteile, Greifwerkzeuge und Sonderbauteile aus dem 3D Drucker - Landkreis Donau-Ries

Landkreis Donau-Ries

Flugzeugteile, Greifwerkzeuge und Sonderbauteile aus dem 3D Drucker

19.10.2015: Die industrielle Fertigungstechnik steht vor interessanten Neuerungen. „Die 3D Drucktechnik erreicht mit atemberaubendem Tempo die Serienreife“, begrüßte Prof. Dr. Markus Glück (Hochschule Augsburg / TCW) die ca. 75 Teilnehmer des 2. Technikforums „3D Druck“ am Technologie Centrum Westbayern (TCW) und gab einleitend einen Überblick zum Stand der additiven Fertigungstechnik.

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Die industrielle Fertigungstechnik steht vor interessanten Neuerungen. „Die 3D Drucktechnik erreicht mit atemberaubendem Tempo die Serienreife“, begrüßte Prof. Dr. Markus Glück (Hochschule Augsburg / TCW) die ca. 75 Teilnehmer des 2. Technikforums „3D Druck“ am Technologie Centrum Westbayern (TCW) und gab einleitend einen Überblick zum Stand der additiven Fertigungstechnik. Worauf man sich einstellen muss und wie ein Einstieg in diese neue Technik gelingen kann, erläuterten im Anschluss acht hochkarätige Gastreferenten.

Den Titel „Traum und Wirklichkeit im 3D Druck“ wählte Thomas Lück für sein Impulsreferat, in dem er die Möglichkeiten und Grenzen heute bekannter Drucktechnologie im Überblick darstellte und den Zuhörern einige Praxisbeispiele vorstellte. 3D Drucker für den Einsatz in der Gusstechnik stellt das Friedberger Unternehmen voxeljet her. Emil Nigl zeigte auf, wie Formen für Großbauteile im 3D Druck von Sandformen entstehen.

Über die Einführung des 3D Drucks in der Luftfahrttechnologie berichtete im Anschluss Udo Behrendt (EOS GmbH, Krailing). Dabei werden nicht nur Kunststoffbauteile sondern heute auch bereits Leichtmetallbaugruppen aus Titan gedruckt werden. Über die Verarbeitung von neuartigen Bauelementen aus Materialkombinationen, z. B. Zahnräder, im Druckverfahren informierte Christian Seidel (Fraunhofer IWU, Augsburg). „Mit dem 3D Druck ergeben sich ganz neue Möglichkeiten in der Leichtbaukonstruktion, zum Beispiel abgeleitet aus der Natur – der Bionik“, so Seidel, der auch selbst an einer neuen VDI Konstruktionsrichtlinie mitarbeitet.

Dr. Manfred Schmid von der inspire AG, einem Forschungsinstitut der Eidgenössen Technischen Hochschule (ETH) in St. Gallen, erläuterte, wie die Beschaffenheit der Rohpulver sich auf die Qualität der Druckmaterialien und Oberflächen auswirken und bei welchen Sintertemperaturen man arbeiten müsse, um defektfreie Druckerzeugnisse zu bekommen.

Einen technologischen Durchbruch mit der 3D Drucktechnik strebt man beim Flugzeugteilehersteller Premium Aerotec an. Der Leiter der Technologieentwicklung, Dr. Kai Schimanski, war persönlich aus Varel angereist und berichtete aus erster Hand. Sorge macht ihm die aktuelle Verfügbarkeit an druckfähigen Metallpulvern als Ausgangsmaterialien. „Wir werden sehr schnell die heute verfügbaren Kapazitäten verbrauchen.“

Sonja Rasch von der deutschen Tochtergesellschaft des belgischen Druckdienstleisters Materialise (Gilching) zeigte auf, in welchen Branchen und bei welchen Teilen heute der 3D Druck bereits sinnvoll sei. Auch sie hatte einige Beispiele mitgebracht. „Unser Unternehmen druckt im belgischen Leuven bereits etwa 500.00 Teile im Jahr mit stark steigender Tendenz“, so Rasch.

Den Teilnehmerkreis verblüffte der letzte Fachvortrag von Rudolf Derntl (Hermle AG, Gosheim). Der Maschinenhersteller hat ein ganz anderes 3D Druckverfahren für den Metalldruck entwickelt, das auf einem CNC Bearbeitungszentrum in einer 5-Achsen Maschine gemeinsam mit Zerspanungswerkzeugen eingebaut werden kann und beim Metalldruck die für den Schichtaufbau nötige Energie durch Beschuss aus einem Düsenstrahl mit hohem Druck bei dreifacher Schallgeschwindigkeit gewinnt. Er kommt daher erstmals ganz ohne Laserunterstützung aus.

Zwischen den Vorträgen blieb Zeit für engagierte Diskussionen. Veranstaltungspartner waren die Hochschule Augsburg, die VDI/VDE Bezirksvereine Augsburg und der Cluster Sensorik Mechatronik & Automation. Weitere Informationen im Internet unter www.tcw-donau.-ries.de.

Weitere Hintergrundinformationen:

Additive Fertigungsverfahren und 3D Drucker revolutionieren die Werkstückbearbeitung und Produktentwicklung. Beim 3D Druck werden Pulver oder Granulate mit Hilfe von Lasern und Heizungen erwärmt und direkt „im Druck“ geformt.

Die heute nutzbaren Materialien sind vielfältig: Polymere, Metalle, Keramiken, Papier und auch lebendes Zellgewebe. Zahnräder, Schuhe, Gehäuse, Anbauteile, Prothesen bis hin zu Greifern werden mit Druckern statt mittels herkömmlicher Zerspanung gefertigt.

Neu ist die hybride Technik, mit Hilfe derer in CNC Bearbeitungszentren bei einer Aufspannung gleichzeitig Werkstücke gedruckt und anschließend durch Fräsen, Bohren, Drehen lokal feinbearbeitet werden. Heutiges Einsatzfeld: Luftfahrt und Sondermaschinenbau.