Innovationsforum Industrie 4.0 - Strategien, Technologien und Umsetzungsszena-rien für die Zukunft der Produktion am TCW diskutiert - Landkreis Donau-Ries

Landkreis Donau-Ries

Innovationsforum Industrie 4.0 - Strategien, Technologien und Umsetzungsszena-rien für die Zukunft der Produktion am TCW diskutiert

16.04.2014: Kostendruck löst großen Umbruch aus.

Vortrag Hubert Egger (ASM Assemby Systems, München)
Innovationsforum
Die Innovationsoffensive "Industrie 4.0" liefert derzeit Zündstoff. „Die industrielle Produktion steht vor einem gewaltigen Umbruch, ausgelöst durch Kostendruck, weltweiten Wettbewerb und steigende Produktivitätsanforderungen" begrüßte Prof. Dr. Markus Glück (Hochschule Augsburg / TCW), einer der Protagonisten der Industrie 4.0, die Tagungsteilnehmer. Es sei höchste Zeit, sich mit den sich abzeichnenden Herausforderungen und Änderungen auseinanderzusetzen. So stand das Praxisforum am Technologie Centrum Westbayern (TCW) unter dem Motto "Zukunft der Produktion: Strategien, Technologien, Umsetzungsszenarien".

​In seinem Impulsreferat stellte Prof. Dr. Markus Glück die Leitziele der Industrie 4.0 dar. Ziel sei es, Fertigungsanlagen und Roboter so weiterzuentwickeln, dass sie sich im Fertigungsalltag selbst organisieren und optimieren könnten. Das sei keine Zukunftsmusik, warnte Glück. Vieles funktioniere schon im Kleinen und die Zusammenführung der Technologien mache große Fortschritte.

9 Gastreferenten beleuchteten im Anschluss aus unterschiedlicher Perspektive die Leitziele, Herangehensweisen und Umsetzungsstrategien. Ihr Blick richtete sich vor allem auf die Anforderungen an Mittelstands-, Fertigungs- und Zuliefererunternehmen. Ein Eckpfeiler der Umwälzungen in der produzierenden Industrie sei das "Internet der Dinge", welches Dr. Ralf Ackermann (SAP AG, Dresden) eingangs diskutierte. "Jedes Produkt wird zukünftig eine eindeutige Identifikationsnummer tragen", so Ackermann. Eingeführt würden derzeit IPv6 Adressräume in der Informationsverarbeitung. "Die großen Optimierungsansätze erfordern eine clevere Analyse der Daten."

Wie die "Produktionsarbeit 4.0" aussehen wird, diskutierte Dr. Sebastian Schlund (Fraunhofer Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation, IAO in Stuttgart). Er stellte mehrere Szenarien und eine Studie vor, deren Erkenntnisse von der bisher größten Expertenbefragung zur Industrie 4.0 abgeleitet wurden. "Wichtig ist es, Akzeptanz bei den Mitarbeitern und eine Identifikation mit den nötigen Veränderungen im Unternehmen zu schaffen", appellierte Schlund.

Timo Frank von der TU München (Lehrstuhl für Automatisierung und Informationssysteme) erläuterte anschließend an einem Praxisbeispiel "My Joghurt", wie man zukünftig individualisierte Produkte mit den Technologien einer Serienproduktion herstellen würde. "Starten Sie mit kleinen Schritten", empfahl er und erläuterte seine Sicht der bevorstehenden Migration zur Industrie 4.0.

Rainer Rodler (ZF Friedrichshafen AG, Passau) sensibilisierte die Teilnehmer auf das Thema IT Sicherheit im Fertigungsumfeld. Er zeigte auf, welche Erfahrungen man bei ZF im Rahmen eines Projekts "Production IT Security" gesammelt und welche Strategien man daraus entwickelt hätte. "Starten Sie mit der Erstellung von Maschinenbeschaffungsrichtlinien als solide Grundlage für Veränderung", seine wichtigste Handlungsempfehlung.
Erste Schritte zu einer intelligenten Elektronikproduktion, die bereits heute nutzbar seien, erörterte Hubert Egger (ASM, München) in seinem Praxisvortrag. Ihm folgte Andreas Huhmann (HARTING, Espelkamp), Vorstandsmitglied der smart Factory KL, einem ersten nationalen Pilotprojekt zu Industrie 4.0 in Kaiserslautern. Er stellte die Entwicklung von Maschinen für eine vollautomatische modulare Testproduktion vor, die vor kurzem auf der Hannover Messe Furore machte.

Dr. Tolgay Ungang berichtete über den Einsatz von Funksensorsystemen in einem Industrie 4.0 Projekt: "Wir haben ganz neue Geschäftsmodelle entwickelt und vor zwei Jahren aus der Universität Freiburg heraus unser Unternehmen gegründet.“ Heute vermarktet seine Smart Exergy WMS GmbH einen intelligenten Werkstückträger.

Welche Standards und Schnittstellen werden kommen? Diese zentrale und erfolgskritische Frage im Rahmen der aktuellen Entwicklungsdebatten, beleuchtete Peter Seeberg (Softing, Haar). Her-auskristallisiert sich ein Durchbruch der OPC-UA Technik als tragfähiges Bindeglied zwischen IT und Automatisierung.

Abschließend stellte Jürgen Lehner (ASYS, Dornstadt) eine Produktentwicklung seines Unternehmens vor: ein Assistenzsystem, das die Steuerung einer ganzen Produktionslinie über Tablet PC ermöglicht und die Herstellung von Elektronikplatinen fortlaufend analysiert.
Veranstaltungspartner waren die Hochschule Augsburg, die VDI/VDE Bezirksvereine Augsburg und der Cluster Mechatronik & Automation e.V. Lokaler Unternehmenspartner war dieses Mal das Stifterunternehmen Grenzebach (Hamlar).

Alle Gäste hatten neben der Möglichkeit zu einem intensiven Erfahrungsaustausch auch die Gelegenheit, einige Schlüsseltechnologien der „Produktion 2020“ live im Institut zu erleben.
Weitere Details im Internet unter www.tcw-donau-ries.de oder auf Anfrage.