Ein Fenster in den tiefen Ries-Untergrund - Landkreis Donau-Ries

Landkreis Donau-Ries

Ein Fenster in den tiefen Ries-Untergrund

07.04.2014: Einblick in die Erdgeschichte am Klosterberg bei Maihingen.

Bei einem ersten Rundgang erläuterte Prof. Dr. Richard Höfling (links) vom GeoZentrum Nordbayern der Universität Erlangen-Nürnberg die Gästen die geologischen Besonderheiten der Geotope Klosterberg bei Maihingen.
Ries-Untergrund
Wie ein Fenster in die Erdgeschichte gewähren die ehemaligen Steinbrüche am Klosterberg bei Maihingen einen Einblick in den tiefen geologischen Untergrund des Rieses. Dort zeigen sich an der Oberfläche Gesteine, die anderswo tief in der Erde verborgen sind. Das Gestein im Ries fungiert nach wie vor als "irdisches" Lehrbuch für die Mond- und Mars-Geologie. Mit den Geotopen Klosterberg eröffnete der Nationale Geopark Ries nun sein mittlerweile viertes Geotop mit Erlebnisweg.
Auf einem 2,6 km langen Rundweg erklären sieben Ereignistafeln die geologischen, biologischen und historischen Besonderheiten der Geotope und ihrer Umgebung, ein Panoramafoto mit Erläuterungen erklärt den Ausblick über die Kraterlandschaft. Der Lehrpfad Maihingen bietet in besonders eindrucksvoller Weise Einblick in den tiefen Gesteinsuntergrund des Rieses - am nordwestlichen Rand des ehemaligen Primärkraters treten Gesteine aus dem Kristallinen Grundgebirge – Granite und Gneise – zutage. Sie sind mit ihrer Vielfalt an Gesteinskomponenten und -gefügen für die Wissenschaftler wichtige Studienobjekte.

Durch das landschaftlich herrliche Mauchtal führt der Lehrpfad unterhalb des imposanten Klosterberges zu den beiden ehemaligen Kristallin-Steinbrüchen Langenmühle I und II und weiter zum Steinbruch Hahnberg, einem paläobiologischen Highlight. Ein fossiles Algenriff, eingebettet in Kalken des salzhaltigen ehemaligen Rieskrater-Sees, erinnert dort in selten vortrefflicher Erhaltung an den friedlichen Ausklang der Rieskatastrophe. Wissenschaftler gehen seit längerem der Frage nach, wie Grünalgen im Ries-See sogar Riffe bilden konnten, eine ausgesprochene Rieser Kuriosität.

Nachdem sich in Kristallingesteinen oftmals auch metallische Erze, darunter Gold und Silber, finden, wurden auch im Ries Suchschächte u.a. bei Maihingen gegraben. Das Adelsgeschlecht zu Oettingen-Wallerstein verlangte Ende des 17. Jahrhunderts nach Silber für Münzprägungen. Allerdings wurden keine abbauwürdigen Erzgänge gefunden und das Unternehmen schnell wieder aufgegeben. Erhalten geblieben sind einige dieser Erzsuchstollen, indem sie wie im Fall der früheren Maihinger Klosterbrauerei als Bier- und Lagerkeller genutzt wurden. Die vier Felsenkeller im Ulrichsberg sind sowohl kulturgeschichtlich als auch aus Sicht des Naturschutzes bedeutsam. Denn die Stollen bieten zahlreichen Fledermausarten ein geeignetes Winterquartier. Nachgewiesen wurden hier z. B. das Große Mausohr und das Braune Langohr. Im Sommer finden die Fledermäuse im Mauchtal mit seinem Mosaik aus vielfältigen naturnahen Lebensräumen ein hervorragend geeignetes Jagdrevier.

Nach dem Erlebnis-Geotop "Lindle" bei Holheim, dem Geotop Kalvarienberg bei Gosheim und dem Geotop "Glaubenberg" bei Harburg-Großsorheim hat der Geopark Ries nun ein weiteres Fenster in die Erdgeschichte "geöffnet". Mit der Erschließung der Geotope von der Erstentbuschung bis zu den baulichen Maßnahmen war wiederum die HPC AG beauftragt. Auch bei den Geotopen Klosterberg wurde das Informations- und Beschilderungskonzept vom Netzwerk des Geoparks, maßgeblich von den Expertenteams unter ihren jeweiligen Leitungen entwickelt. Für den Bereich Geologie übernahm Prof. Dr. Richard Höfling vom GeoZentrum Nordbayern der Universität Erlangen-Nürnberg die Federführung, für den Bereich Natur und Landschaft Kurt Kroepelin und Johannes Ruf von den Rieser Naturschutzverbänden. Die Gesamtleitung des Projektes lag wie bei den anderen Geotopen auch bei der Geschäftsstelle des Geoparks, Geschäftsführer Günther Zwerger und seiner Stellvertreterin Heike Burkhardt. Für die Entwicklung der Geotope erhält der Nationale Geopark Ries EU-Fördermittel, die weiteren Kosten trägt der Landkreis Donau-Ries.

Bereits geübt in der Eröffnung von Geotopen ist inzwischen Landrat Stefan Rößle, er  war auch beim inzwischen vierten erschlossenen Geotop mit Erlebnisweg mit von der Partie. Landrat Rößle ist stolz darauf, dass der Geopark auf diese Weise die einzigartige Geologie des Rieses für die Öffentlichkeit zugänglich macht. Sein Wunsch bei der Begrüßung: eine möglichst intensive Nutzung der Geopark-Einrichtungen durch Einheimische und Geotouristen. Nicht zuletzt solle damit auch  das Nordries in seiner Entwicklung unterstützt werden.

Maihingens Bürgermeister Franz Stimpfle verwies auf die bereits bestehenden Sehenswürdigkeiten wie das Rieser Bauernmuseum, die Klosteranlage mit Kirche, die beiden Mühlen Langenmühle und Kornmühle sowie das Mauchtal. Durch die Geotope Klosterberg käme nun ein weiteres wertvolles Erlebnisangebot für Einheimische wie Touristen hinzu.  
Seitens des Freistaates war Dr. Christian Barth, Amtschef des Umweltministeriums, zur Eröffnung gekommen. Er betonte, dass Geotope hervorragende Lernorte und wichtige Bausteine der Umweltbildung seien. Geotope dienen einerseits dazu, Umwelt zu schützen, aber auch die Menschen für die Schönheiten unserer Heimat zu sensibilisieren. Zudem sicherte Barth die weitere – auch finanzielle – Unterstützung des Freistaates zur Geotopentwicklung zu.

In der fachlichen Einführung in die Geotope und die anschließenden Führungen im Gelände wusste Prof. Dr. Höfling die rund 100 Gäste ein weiteres Mal mit seiner allgemeinverständlichen Darstellung der besonderen Geologie vor Ort und der Einbeziehung der langen Forschungstradition der Geologie der Rieses zu begeistern.
Nach Höflings Worten „erhält diese idyllische Ecke des Rieses mit dem Ausbau als Geotop nun die – auch wissenschaftliche – Wertschätzung, die ihr die Astronauten durch den Besuch im Rahmen ihres field-trainings zur Vorbereitung der Apollo 14-Mission 1970 vor Ort bereits gegeben hatten".

Informationen zu den bereits erschlossenen Geotopen sowie zum Geopark Ries allgemein gibt es in den Info-Zentren des Geoparks, bei den örtlichen Tourist-Informationen und bei der Geopark-Geschäftsstelle im Landratsamt Donauwörth, Pflegstraße 2, 86609 Donauwörth, Tel. 0906 74-140 oder Mail: info@geopark-ries.de und im Internet unter http://www.geopark-ries.de/.