Praxisforum Wertstromanalyse: Verschwendung erkennen, Wertschöpfung steigern– Erfahrungswerte bei der Einführung von Lean Management - Landkreis Donau-Ries

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Praxisforum Wertstromanalyse: Verschwendung erkennen, Wertschöpfung steigern– Erfahrungswerte bei der Einführung von Lean Management

19.03.2014: Produktion gezielt steigern.

Erfahrungsaustausch beim Praxisforum
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Um konkurrenzfähig zu bleiben, setzen Fertigungsunternehmen auf Lean Management Ansätze und die Wertstromanalyse – eine treffsichere Methode, um systematisch Verschwendung zu erkennen, Bestände zu optimieren und die Wertschöpfung in einer "schlanken" Produktion gezielt zu steigern. Sieben Gastreferenten beleuchteten das Thema und berichteten über ihre Erfahrungen aus der Praxis im Rahmen des jüngsten TCW Fachforums "Verschwendung erkennen, Wertschöpfung steigern - Wertstromanalyse, Lean Erfahrungen, Ausblick auf die Industrie 4.0".

​"Welche Methoden und Werkzeuge nutzen Firmen in der Praxis, um ihren "Strom der Werte" zu analysieren? Welche Erfahrungen machen Sie dabei, zum Beispiel im Einsatz von Lean Strategien? Wie gehen sie vor? Wie gelingt ihnen eine ganzheitliche Analyse?", formulierte Prof. Dr. Markus Glück (Hochschule Augsburg / TCW) eingangs die Leitfragen.
Stefan Wohnhas (Bauknecht Hausgeräte, Schorndorf) berichtete gleich zu Beginn über den Einsatz der Wertanalyse zur Steuerung des Produktportfolios. "Hausgerätehersteller erleben einen immensen Margendruck. Die Preise fallen bei uns jährlich um mindestens ca. 3 Prozent", so Wohnhas. "Umso wichtiger ist es für uns, jede Funktion und ihren Wert im Vorfeld zu bewerten und nach den Ergebnissen dieser Wertanalyse unsere Entwicklungsanstrengungen zu steuern."

Ähnliches berichtete Stephan Lechel von der Porsche Unternehmensberatung aus Bietigheim-Bissingen: "Was zählt ist operative Exzellenz, eine attraktive Produktpalette sowie ein diszipliniertes Kosten- und Investitionsmanagement." Was er darunter verstand und was Porsche im eigenen Unternehmen umsetzt, fasste er anschließend in 8 Erfolgsfaktoren zusammen, darunter die Veränderungs- und Weiterbildungsbereitschaft von Mitarbeitern und Führungskräften, der erfolgreiche Einsatz von Steuermethoden sowie die richtige Beobachtung und Analyse von Kennzahlen.

Sven Fleuter berichtete über Erfahrungen mit dem Wertstromdenken im Unternehmen HARTING (Espelkamp). "Wir haben uns vorgenommen, den Neuproduktanteil von 15 % bis ins Jahr 2020 weiter aufrechtzuerhalten. Qualität ist dabei ein Muss, Flexibilität der Schlüssel zur Kundenbegeisterung." Vor allem durch Rüstzeitwechsel, die täglich trainiert werden, sei man – wie ein Formel 1 Team beim Reifenwechsel - organisatorisch gut aufgestellt. "Konsequenz in der Umsetzung ist der eigentliche Erfolgsfaktor", so Fleuter. "Veränderungen müssen durch Führende vorangetrieben und deren Nutzen für alle Mitarbeiter anschaulich transparent gemacht werden."

Tobias Vogl (Fa. WashTec, Augsburg und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule München) berichtete über die Einführung des Value Engineerings in der Produktentwicklung und Fertigung von Waschstraßen. "Veränderungen müssen überzeugen. Sie haben nur einen Schuss“, beleuchtete er die Tatsache, dass vielfach Neuerungen und Lean Management nur zaghaft und damit wenig glaubhaft in Unternehmen umgesetzt werden.
Andreas Graß (Baumer Electric, Frauenfeld) bildet Mitarbeiter in der 6-Sigma Prozessanalyse aus. Er stellte die Berechnung der Prozessfähigkeiten als Kennzahlen zur Fertigungssteuerung vor.

Maria Walther (IBS AG, Höhr-Grenzhausen) startete mit einem Praxisbeispiel der Verankerung von schlanken Qualitätssicherungskonzepten bei der Daimler AG. Sie griff die Verschwendung in administrativen Prozessen auf. "Sie brauchen, um effizient ihre Wertströme zu steuern, eine einheitliche Datenbasis. Der Einsatz von bis zu 40 unterschiedlichen Tabellen und Softwareprogrammen führt nicht an ein gutes Ziel!", mahnte Walther. Häufig dauere es auch zu lange, bis korrigierende Maßnahmen beschlossen werden. "Oft werden euphorisch Daten gesammelt, aber sie werden nicht genützt, um daraus Maßnahmen zur Fehlervermeidung abzuleiten."

Christian Herfert berichtete über den Einsatz der Wertstromanalyse im Mittelstandsunternehmen Grenzebach (Hamlar): "Holen Sie sich die besten Leute ins Team, es lohnt sich“, sein Appell. So entstehen derzeit Verbesserungsansätze, die zu einem großen Mehrwert und Nutzen führen.

Abschließend wagte Prof. Dr. Markus Glück (Hochschule Augsburg / TCW) einen Blick in die Zukunft der Produktion – die "Industrie 4.0" – aus der Perspektive des Produktionsmanagements und der Wertstromanalyse. "Die Produktion steht vor fundamentalen Umbrüchen", warnte Glück. "Unterschätzen sie nicht die Notwendigkeit, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen!" Im Anschluss folgten ein Technologieüberblick sowie die Diskussion eines Entwicklungsstufenplans.

Veranstaltungspartner waren die Hochschule Augsburg, die VDI/VDE Bezirksvereine Augsburg und der Cluster Mechatronik & Automation e.V. Lokaler Unternehmenspartner war dieses Mal das Stifterunternehmen Grenzebach (Hamlar). Alle Gäste hatten neben der Möglichkeit zu einem intensiven Erfahrungsaustausch auch die Gelegenheit, einige Schlüsseltechnologien der "Produktion 2020" live im Institut zu erleben.

Weitere Informationen: http://www.tcw-donau-ries.de/