Ganz nah dran am fossilen Schwammriff - Landkreis Donau-Ries

Landkreis Donau-Ries

Ganz nah dran am fossilen Schwammriff

10.03.2014: Verborgene geowissenschaftliche Daten.

Hoch nach oben ging es jüngst für Prof. Dr. Richard Höfling vom GeoZentrum Nordbayern und seinen Studenten Daniel Belz im Geotop Kühstein bei Mönchsdeggingen. Mit einer Hebebühne wurden die beiden ganz nah an einen Aufschluss gebracht, um geologische Proben zu entnehmen. Bild: Heike Burkhardt
fossiler Schwammriff
Mönchsdeggingen (pm.) Das Ries steckt noch immer voller verborgener geowissenschaftlicher Daten, deren Bearbeitung sich lohnt. Prof. Dr. Richard Höfling vom GeoZentrum Nordbayern der Universität Erlangen-Nürnberg ist mit seinen Studenten kleinen Kieselschwamm-Riffen der Weißjura-Zeit auf der Spur. Die bisher gewonnen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind unter anderem bereits eingeflossen bei der Erschließung von Erlebnis-Geotopen im Ries.


​Kurz vor Eröffnung des Erlebnis-Geotops "Kühstein" bei Mönchsdeggingen sollen noch die neuesten Erkenntnisse auf die Informationstafeln. Hierfür entnahmen Geopark-Geologe Höfling und sein Student Daniel Belz für dessen Bachelorarbeit auf etwas ungewöhnliche Weise per Hebebühne vor Ort geologische Proben an einer steilen Felswand. Nachdem das Gestein in dem Geotop "Kühstein" sehr bröckelig ist, gab es keinen anderen Weg, nahe an diesen Gesteinsaufschluss zu kommen. Höflings Arbeitsgruppe ist unter anderem kleinen Kieselschwamm-Riffen der Weißjura-Zeit auf der Spur, die vor etwa 160 Millionen Jahren, also sehr lange vor dem Riesereignis, in Süddeutschland in einem relativ flachen Meer gediehen und beim Riesereignis erstaunlich wenig beansprucht wurden – ein glücklicher, wenn auch seltener Umstand.

 

Die Aktion sollte überdies die seit einigen Jahren bestehende sehr intensive Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen des Geoparks Ries und dem GeoZentrum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zum Ausdruck bringen. Nationale Geoparks haben nicht zuletzt die Aufgabe, Umweltbildung zu betreiben und Lehre und Forschung in den Geowissenschaften zu unterstützen.

 

Professor Höfling betreute seit Beginn der Geotop-Erschließungen etliche Bachelor- und Masterarbeiten über Geo-Themen des Rieses, deren Ergebnisse bereits in diverse Informationstafeln der neuen Geopark-Lehrpfade eingeflossen sind. Dies dokumentiert die immer noch gegebene ungebrochene geowissenschaftliche Brisanz des Rieses. Manch hochinteressantes Detail harrt noch immer einer wissenschaftlichen Bearbeitung, ist sich Höfling sicher.

 

Auch Pier-Giorgio Kokott bearbeitet einen Steinbruch des Geotops Kühstein und nahm anschließend den gegenüberliegenden Aufschluss unter die Lupe. Seine Untersuchungen über den Uferbereich des ehemaligen Rieskrater-Sees lassen ebenso interessante Neuigkeiten erwarten.

 

Zu dem außergewöhnlichen Beprobungsevent fand sich auch Anne Fellner ein, die vor kurzem ihre  ebenso von Höfling betreute Masterarbeit über die Ökologie des Kratersees mit "sehr gut" absolvierte und die zudem die Detailkartierung des Geotops Kühstein anfertigte. Die aus Heroldingen stammende Studentin ist inzwischen zu einer Riessee-Expertin avanciert und möchte ihre Kenntnisse mit Vergleichsstudien an anderen fossilen Kraterseen Europas in ihrer Dissertation erweitern.

 

Günther Zwerger, der Geschäftsführer des Geoparks Ries, und seine Stellvertreterin Heike Burkhardt wissen es sehr zu schätzen, dass sich diese Kooperation mit der Universität Erlangen-Nürnberg so fruchtbar entwickelt hat. Die Organisation des reibungslosen Beprobungsverlaufs hatte Heike Burkhardt deshalb auch gerne übernommen.